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Phyllis Bottome (1882 – 1963) war eine bedeutende englische Schriftstellerin, populär in England und Amerika, die in der Mitte ihres Lebens eine engagierte An­hängerin der Individualpsychologie wurde. Sie lernte Alfred Adler 1927 kennen, als er sie und ihren Mann in ihrem Haus in Kitzbühel  besuchte. Ihr Mann hatte Adler wegen einer Erziehungsfrage in Wien kontaktiert, woraus sich eine enge Freundschaft mit beiden Eheleuten entwickelte, die erst mit Adlers Tod in Aberdeen endete.

 

Auf Empfehlung Adlers zog das Ehepaar 1930 nach München, um bei Leonhard Seif eine Analyse zu absolvieren. Sie erlebten das Aufkommen des Faschismus in seinem damaligen Zentrum und verließen München erst im Mai 1933. Danach wurde Bottome eine kämpferische Antifaschistin, die ihre Überzeugungen in zahlreichen Schriften und Vorträgen in England und den USA vehement vertrat. Ihr Mann, Ernan Forbes Dennis, engagierte sich in den Jahren 1935-1937 tatkräftig als Organisator der Reisen und Auftritte Adlers in England, wofür sich Adler bedankte, indem er ihn zu seinem Repräsentanten in Europa ernannte. Auf der gemeinsamen Zugreise von London nach Aberdeen im Frühjahr 1937 bat Adler Bottome, seine Biografie zu schreiben. Bald nach Adlers plötzlichem Tod Ende Mai 1937 reisten sie und ihr Mann erneut in das faschistisch dominierte Wien, um noch möglichst viele Freunde und Mitarbeiter nach ihren persönlichen Erinnerungen an Alfred Adler zu befragen. Sie verließen Wien wenige Tage vor dem Einmarsch der nationalsozialistischen Truppen in Österreich im März 1938.

 

Bottome veranschaulichte Adlers Psychologie in zahlreichen Romanen und Essays. Ihren bekanntesten Roman, The Mortal Storm, in USA verfilmt, hatte sie Alfred Adler gewidmet. Außerdem war sie eine Berichter­statterin der Zeit und schrieb engagiert über politische, soziale, psychologische und pädagogische Themen. Ihren ersten Roman publizierte sie im Alter von 17 Jahren und blieb bis zum 81. Lebensjahr als Autorin tätig. Lebenslang war sie auf ein Einkommen aus schriftstellerischer Tätigkeit angewiesen.

 

Aufgewachsen in England und Amerika - beide Länder bezeichnete sie als ihre Heimat - lebte sie viele Jahre in der Schweiz, Österreich, Frank­reich und Deutschland. Daher war sie außergewöhnlich gut über das private und öf­fentliche Leben dieser Länder informiert. Sie war mit verschiedenen Literaturgattungen ver­traut, schrieb 33 Romane, zwölf Bände Kurzgeschichten sowie Biografien und drei Autobiografien mit individualpsychologisch inspirierten Titeln: Search for a Soul, 1947, The Challenge, 1953, The Goal, 1962.

 

Pam Hirsch, Dozentin für englische Literatur in Cambridge, publizierte 2010 eine umfassende Biografie Bottomes. Sie ordnet die frühen Schriften der Autorin einer bedeutenden literarischen Entwicklung dieser Zeit zu, und zwar der sogenannten ‚New Women Fiction‘. Schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts vertrat Bottome die Parole, die in den 60er Jahren den Frauen als Orientierung diente: „Das Persönliche ist immer das Politische“.

 

Phyllis Bottome wurde 1882 unweit von London in der Stadt Rochester geboren. Sie war das dritte von vier Kindern einer amerikanisch-englischen Pfarrersfamilie. Der Vater, ein lebensfroher Amerikaner, war Geistlicher der anglikanischen Kirche. Die englische Mutter war eine ängstliche, fromme und oft kränkelnde Frau. Da Phyllis als Siebzehnjährige an Tuberkulose erkrankte, schickte man sie zur Genesung in die Alpen. Es kam immer wieder zu Rückfällen, sodass sie erst Jahrzehnte später nach England zurückkehrte. Sie selbst sah ihre Erkrankung positiv, da sie ihr half, über die beengenden Familienverhältnisse hinauszuwachsen. Sie starb nach einem produktiven Leben im Alter von 81 Jahren in England.